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Krise: Manager im Brennpunkt

Krise: Manager im Brennpunkt

Fachbeitrag von Eckhard Moser

Die Anforderungen an Führungskräfte, insbesondere auf mittlerer Führungsebene, verändern sich derzeit rapide. Souveränität, Motivationsfähigkeiten und anständiges Führungshandwerk sind gefragt. Doch wie gut sind unsere Führungskräfte in Deutschland auf die Herausforderungen vorbereitet, wie krisenfest gehen sie tatsächlich mit der aktuellen Situation um?


Krise und Ängste

Seit Wochen und Monaten werden die Medien dominiert von immer wieder neuen negativen Meldungen über die Bankenkrise und die daraus resultierende globale Wirtschaftskrise. Kaum eine Nachricht berichtet von Erfolgen (die es in Teilbereichen der Wirtschaft nach wie vor gibt), davon dass Unternehmen auch in 2009 Geschäfte auf normalem Niveau tätigen oder gar Zuwachsraten erwarten. Abwärtstrends bestimmen die Szene und Angst. Angst vor der Folgen der Krise, Angst vor den Konsequenzen für das eigene Unternehmen, Angst vor der persönlichen Zukunft.

Wenn auch nur ein Teil dieser Meldungen und Prognosen sich bewahrheiten wird, erleben nicht nur Unternehmenslenker im Vorstand oder in der Geschäftsführung schwere Managementzeiten, sondern gerade die zahlreichen Führungskräfte auf mittlerer Ebene durchleben in diesen Monaten spannende Zeiten. Die Rahmenbedingungen für wirtschaftliche wie personalorientierte Entscheidungen haben sich deutlich geändert. Der Druck ist größer geworden und ist nicht mit der Alltagsroutine aus mehreren Jahren des Wachstums zu bewältigen.


Schwierige Führungsaufgaben

Bei zahlreichen Unternehmen stehen Kostensenkungsprogramme in Kombination mit Personalabbau im Fokus. Das tut weh und schafft Empfindlichkeiten bei allen Beteiligten. Sicher, gerade in Deutschland findet man im mittleren Management überdurchschnittlich viele gute Fachkräfte. Die Betonung liegt dabei wirklich auf "Fach"-kräfte. Gemeint sind Mitarbeiter, die, bevor sie Führungsverantwortung erhielten, gezeigt haben, dass sie im Unternehmen auf ihrem Fachgebiet überdurchschnittliches erfolgreich waren. Basierend auf der Fachqualifikation wurde und wird sehr häufig nach wie vor befördert. So leiten Fachexperten heute Abteilungen, große Projekte und sind nach der Beförderung plötzlich mit Personalführungsaufgaben konfrontiert. Teams zusammenführen, motivieren, Einzelpersonen fördern und entwickeln, Führungskommunikation realisieren. In wirtschaftlich guten Zeiten fällt dabei seltener auf, dass die gleichen Führungskräfte oftmals kaum oder gar nicht über das dafür notwendige Führungshandwerk und die Führungspersönlichkeit verfügen.

Grundlegende Fähigkeiten und Kenntnisse wurden, wenn überhaupt, oft nur im Selbststudium, durch Erfahrung aus Gesprächen mit dem eigenen Vorgesetzten oder Kollegen erworben. Diese hohe (Über-) Bewertung der Fachqualifikation gegenüber der Führungsqualifikation bildet nun in Krisenzeiten eine mehrfache Hypothek.

Auch dem zurückhaltendsten Mitarbeiter einer Arbeitsgruppe wird schnell klar, dass die bevorstehenden Zeiten Veränderungen mit sich bringen und dies nicht immer nur zum Guten - weder für das Unternehmen, noch für ihn selbst als Einzelperson. Werte wie Vertrauen, Loyalität, Motivation, Offenheit und Vorbildkompetenz, kurz Führungsqualitäten, avancieren zu Schlüsselfaktoren bei der Überwindung schwieriger und ungewohnter Situationen im Team, im Bereich, im Gesamtunternehmen.


Vorbilder gefragt

Bereits in den letzten Monaten hat sich in den früh betroffenen Wirtschaftsbereichen, allen voran natürlich dem Finanzwesen, den Banken und aktuell dem kompletten Automotivesektor, gezeigt, dass aufgrund der zugespitzten Lage die Abteilungs- und Projektleiter besonders gefragt sind, gerade beim Verkünden unangenehmer Nachrichten und Einleiten von oft unbequemen Maßnahmen ihre Mitarbeiter motiviert zu halten und als Vorbilder voran zu gehen.

Was aber nun befähigt Führungskräfte insbesondere der mittleren Ebene, erfolgreiche Führungsarbeit zu leisten? Antworten darauf finden sich im methodischen Bereich ebenso, wie in den Punkten Führungsstil und Führungspersönlichkeit. Wir sprechen bei den Werkzeugen unter anderem vom Beherrschen des situativen Führungsstils und von konstruktiven Feedbackgesprächen auf Team- und Einzelmitarbeiterebene. Korrekte, verbindliche Kommunikation mit Mitarbeitern, Kollegen und den nächst höheren Vorgesetzten ist gefragt. Effiziente, inhaltsreiche Meetings müssen durchgeführt werden, Abteilungs- und Projektbesprechungen und die direkte Ansprache von einzuleitenden Maßnahmen. Hier zeigt sich sehr schnell, welchen Grad an Qualität die Kommunikationskultur im Unternehmen erreicht hat, wo Stärken vorliegen, aber auch Schwächen.

Überraschend ist, dass viele der betroffenen Führungskräfte- vertraulich befragt - Unsicherheiten in diesen Bereichen zugeben, jedoch gleichzeitig in ihren bisherigen Aus- und Weiterbildungsaktivitäten diese Themen oft nicht viel Raum fanden. Das führt zur nächsten Frage, warum dies in der Vergangenheit so war. Zwei Ursachen dafür drängen sich auf. Zum einen reicht in normalen Zeiten eine ausgeprägte Fachkompetenz oft aus, um Führungsschwächen und die damit verbundenen Reibungsverluste im Umgang mit den anvertrauten Mitarbeitern einigermaßen auszugleichen oder kaschiert werden konnten. Zum anderen, wer in bisherigen Zeiten eine gute Menschenkenntnis und ein einigermaßen ausgeprägtes Gespür für Stimmungen und Emotionen hatte, konnte allzu gravierende Fehler vermeiden oder gerade noch rechtzeitig korrigieren.


Change? Yes, we can!

In den nun angebrochenen Krisenzeiten jedoch werden manche Führungskräfte zum ersten Mal in ihrem Managerleben tatsächlich mit dem Rücken zur Wand stehen. Wenn Vorstände und Geschäftsleitung harte 20 bis 30 % Kostenreduktion einfordern oder eine Verkleinerung des Personalstamms einleiten, wird ein Agieren in wohlüberlegten, lange vorbereiteten und fein abgestimmten Schritten nicht mehr möglich sein. Harte Einschnitte und unpopuläre Maßnahmen müssen kommuniziert und ebenso schnell wie wirksam umgesetzt werden. In solchen Situationen zeigt sich, wer sein Führungshandwerk beherrscht oder wer eben nur eine gute Fachqualifikation besitzt. Klare offene Worte, gepaart mit dem entsprechenden Einfühlungsvermögen in das Verhalten von Einzelpersonen wie von Gruppen, müssen Hand in Hand gehen mit dem Bewußtsein, was genau wann, wie, wo und mit wem zu kommunizieren ist.


Can we?

Jedes Unternehmen tut gut daran, trotz der akuten Probleme und gerade derentwillen, die Qualifikation insbesondere der mittleren Führungsebene auf die Agenda zu setzen. Zu schauen, ob hier gerade in den bevorstehenden Zeiten der Belastung und der Bewährung die Führungsarbeit sicherer zu machen. Zunächst sind hier die Vorgesetzten der mittleren Führungskräfte gefragt, die Taktzahl der persönlichen Coachinggespräche zu erhöhen und gegebenenfalls unerfahrene Führungskräfte nicht im Regen stehen zu lassen. Daneben empfiehlt es sich darüber nachzudenken, ob externe Unterstützung in akuten Drucksituationen sinnvoll sein kann. Training und persönliches Coaching sind legitime Möglichkeiten, die betroffenen Führungskräfte zügig auszubilden und auch im Tagesgeschäft zu begleiten.

Sicher, die finanziellen Mittel sind in diesen Tagen bei manchem knapp. Doch die Investition in Führungsqualität zahlt sich unmittelbar aus. Return on Leadership ist gefragt, und dieser in einem hohen Grad. Die Vorteile liegen dabei klar auf der Hand. Der so genannte Mittelbau, die mittlere Führungsebene, bleibt für das Top Management schnell steuerbar, berechenbar und Maßnahmen zur Krisenabwehr können für das Gesamtunternehmen sehr viel schneller und effektiver durchgeführt werden.


Chancen nutzen

Bei spürbar guter Führungsarbeit bietet die Krise nicht nur Unbill sondern auch jede Menge Chancen. Manager, Experten und Teams können gerade jetzt die Fähigkeit zur Kreativität entwickeln, beispielsweise bei der Reduktion von Kosten ohne sich dabei gleichzeitig die Basis zum ganzheitlich guten Wirtschaften zu entziehen, beim Steigern der Qualität, bei der Beschleunigung von Bearbeitungszeiten und vielen anderen wettbewerbsstärkenden Faktoren mehr. Im Idealfall entsteht ein Klima, bei dem alle die Ärmel hochkrempeln um in gemeinsamer Stärke und im Zusammenhalt jede noch so schwere Hürde zu nehmen.

Motivation macht vieles möglich. Auch notwendige Veränderungen, die in ruhigen Zeiten nicht angepackt wurden. Diese stillen Leistungsreserven in den Unternehmen, nun entschlossen angepackt, werden mitbestimmen, in welchem Zustand ein Unternehmen, seine Manager und Mitarbeiter nach der Krise dastehen werden, Sei es gestärkt und als Team gereift oder dann, nur im Abseits stehen, die Erfolge der Wettbewerber bewundernd. Die Botschaft aus amerikanischen Wahl ist simpel und klar und wir sollten sie Wirklichkeit werden lassen: "Yes, we can!"


Zum Autor:

Eckhard Moser
Bankfachwirt,
ist Unternehmensberater und Trainer im Team von Lorenz-Seminare in Weidenthal/Pfalz.

 

 

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